Warum nicht Moodle und Flipped Classroom kombinieren?

Mit diesem Beitrag möchte ich eine interessante, vielversprechende Kombination für den Unterricht vorstellen.

Ich weiß, dass das für viele Lehrer ein Reizthema ist. Ich kenne aus meinen EDV Fortbildungskursen die Standardkritiken. Es wird sofort argumentiert „Warum sollten wir das benutzen? Wir würden uns doch damit selber überflüssig machen.“

Ich möchte versuchen, diese Argumente zu entkräften. In vielen Bundesländern ist die Benutzung von Facebook in der Schule verboten. Mit Moodle hat man die Möglichkeit

  • Arbeitsmaterialien zu verteilen,
  • über Lektionen Binnendifferenzierte Lernpfade anzulegen,
  • mit Hilfe des integriertem Wikis kollaboratives Arbeiten zu ermöglichen

es besteht auch die Möglichkeit den SchülerInnen

  • ein Forum,
  • einen Chatraum zur Verfügung zu stellen.

Der Flipped Classroom bietet parallel dazu eine weitere Möglichkeit, dass sich SchülerInnen individuell nach ihrem

  • eigenen Lerntempo mit einem Thema auseinander setzen können,
  • sie können sich Teile des zur Verfügung gestellten Lernvideos mehrfach ansehen,
  • brauchen deswegen auch keine Hemmungen entwickeln, weil sie Teile des Lernvideos
  • sie können währenddessen zusätzliche Informationen nachschlagen.

Ich kann mir jetzt lebhaft das Stirnrunzeln einiger Lehrer vorstellen.

  • Was noch mehr Arbeit?
  • Ich habe doch keine Ausrüstung um Lernvideos zu erstellen.
  • Was soll ich dann im Unterricht machen?
  • Damit mache ich mich ja noch schneller überflüssig.

Sicherlich machen sowohl Moodle Kurse, als auch die Erstellung von Lernvideos am Anfang Arbeit. Es ist für Moodle sicherlich auch erstmal eine Einarbeitung notwendig. Mit der Zeit geht es aber immer schnelle von der Hand. Es entwickelt sich eine Routine dahingehend parallel zur Stundenvorbereitung das entsprechende Material in den Moodle Kurs zu integrieren. Während der eigenen Recherche zur Stundenvorbereitung können die entsprechenden Internetlinks im Moodle Kurs als zusätzliche Information zur Verfügung gestellt werden. Genauso wie ein Arbeitsblatt ist ein Moodle Kurs nicht vergänglich, im Gegenteil im Laufe der Jahre werden auch bestehende Kurse sich weiter entwickeln.

Die Erstellung von Lernvideos ist am Anfang auch ungewohnt. Ich kann mich noch an meine ersten Lernvideos erinnern. Absolut ungewohnt war für mich meine eigene Stimme plötzlich zu hören. Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten einzuschätzen wie lang eine Szene sein muss. Auf meinem Blog finden sich zahlreiche Tipps zur Erstellung von Lernvideos und die damit verbundene Verarbeitung dieser Videos. Mein YouTube Kanal enthält mittlerweile über 300 Videos. Inzwischen bin ich soweit, dass ich schon während der Aufnahme merke, wenn etwas zu schnell, der Szenenwechsel zu früh kam, oder etwas nicht klar erkennbar war. In dem Fall mache ich eine Pause und drehe den entsprechenden Teil noch einmal. Bei der Videoverarbeitung schneide ich die entsprechende Szene raus. Von unseren Schülern habe ich öfter gehört, dass gerade die Vermittlung von schwierigen Lerninhalten, wie z.B. das Aufstellen von Reaktionsgleichungen, mit Hilfe einer Videoanleitung ihnen geholfen hat.

Sebastian Schmidt hat auf seiner Seite eine To-Do-Liste für Flipped Classroom zusammengestellt, die lesenswert ist. Seine Videos sind auf seinem YouTube Kanal zu finden. Bei Twitter ist Sebastian Schmidt als @FlippedMathe zu finden. Er erprobt seit knapp drei Jahren erfolgreich die Kombination aus Flipped Classroom und Mebis. In Bayern wird unter der Dachplattform mebis einer moodle-ähnlichen Lernplattform auch ein Prüfungsarchiv und eine Mediathek hinzugefügt.

Sebastian Stoll (@180gradflip) , Carsten Thein und Felix Fähnrich (@fliptheclass) erproben auch seit Längerem erfolgreich den Flipped Classroom im Fach Mathematik. Sie allerdings nutzen eine selbst gestaltete Homepage als Lernplattform. Dort kann man auch ihre sehr gut durchdachten und professionell erstellten Videos finden.

Gemeinsam betreiben alle drei Projekte seit Kurzem eine Homepage (www.umgedrehterunterricht.de) , mit der sich das mittlerweile stetig wachsende Netzwerk von Flippern verbinden kann. Kurioserweise findet man im deutschsprachigen Raum fast nur Mathematiklehrer, die nach dem Flipped Classroom unterrichten. Auch ich würde mich freuen, wenn sich Lehrer aus anderen Bereichen bei mir oder auf der Homepage der oben genannten Kollegen melden würden. So könnten nicht nur Neulinge von den Erfahrungen der „Profis“ lernen, sondern auch die Erfahrenen neue Impulse erhalten.

Ich denke die Kombination von Moodle und Flipped Classroom ist erfolgsversprechend. Die Zeit im Unterricht kann dadurch ganz anders genutzt werden. Die Schüler werden im Bereich des SOL gestärkt. Die Lehrerrolle verändert sich in Richtung eines Lernberaters. Das ist für beide Seiten natürlich erstmal eine Umstellung, aber ich glaube die positiven Effekte sollten überzeugen. In Amerika z.B. hat der Flipped Classroom inzwischen einen hohen Verbreitungsgrad erreicht. Dort setzen eine Vielzahl von Lehrern den Flipped Classroom ein.

Ich werde die Entwicklung des Flipped Classroom weiter verfolgen und sicherlich noch Beiträge bloggen.

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Eine Antwort zu Warum nicht Moodle und Flipped Classroom kombinieren?

  1. Mone Denninger schreibt:

    Hat dies auf Digitale Medien rebloggt.

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